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Kinderwunsch
Störungen
der Fortpflanzungsfähigkeit können oft jahrelang bestehen, bevor
ein Paar einen konkreten Kinderwunsch hat und sich entschließt ärztliche
Hilfe in Anspruch zu nehmen. Man geht davon aus, dass die Häufigkeit
der Infertilität in den Industrieländern bei etwa 15 % der Paare
im reproduktiven Alter beträgt. Der Anteil der Paare, die
medizinische Betreuung wegen ihrer Infertilität suchen, liegt
zwischen 4 und 17 %. Schließlich bleiben 3 - 4 % aller Paare am
Ende ihrer reproduktiven Lebensphase ungewollt kinderlos.
Es
muss somit davon ausgegangen werden, dass etwa 7 % aller Männer im
Laufe ihres Lebens mit den Problemen einer Störung ihrer Zeugungsfähigkeit
konfrontiert werden und damit liegt die Häufigkeit von der
Unfruchtbarkeit des Mannes deutlich über der von Volkskrankheiten
wie z. B. Diabetes mellitus (=Blutzuckerkrankheit). Die
andrologische Abkläruung ist relativ einfach. Nach einer
eingehenden Anamnese erfolgt die körperliche Untersuchung. Dabei
wird das äussere Genitale inkl. einer Ultraschalluntersuchung und
einer Doppleruntersuchung der Hodengefäße inspiziert. Neben einer
Blutuntersuchung, um hormonelle Störungen aufzudecken, sind 2
Samenproben notwendig, die nach strengen Kriterien (WHO 2000)
untersucht werden müssen. In Salzburg bieten wir als einzige Klinik
in Österreich auch die sogenannte Akrosomreaktionsuntersuchung an,
wo ganz speziell auch die Fähigkeit der Spermien mit den Eizellen
zu verschmelzen, überprüft wird. Die 2 Samenproben sollten etwa 4
Wochen auseinanderliegen, da die Samenqualität sehr wechselhaft
ist. Danach erfolgt die Befundbesprechung, wobei immer die Partnerin
mit einbezogen werden sollte.
Orthomolekulare
Nährstofftherapie in der
Therapie der
idiopathischen Infertilität
A.
Jungwirth
Von Infertilität
spricht man dann, wenn bei regelmäßigen ungeschützten GV
innerhalb eines Jahres keine Schwangerschaft eintritt. Bei
unselektionierten Paaren kommt es in 85% innerhalb der ersten 12
Monate mit ungeschützten GV zu einer Schwangerschaft – diese Rate
nimmt jedoch mit dem Alter des weiblichen Partners deutlich ab. Erst
innerhalb von 20 bis 28 Monaten erzielen 80% aller Paare eine
Schwangerschaft, bei denen die Frauen älter als 25 Jahre war.
Besonders in der heutigen Zeit, wo der Kinderwunsch relativ lang
hinausgezögert wird, hat natürlich das Alter der Frau einen
wesentlichen Einfluß auf die spontane Schwangerschaftsrate.
Nach
Einschätzungen der Weltgesundheitsorganisation liegen bei nur 39%
der Paare die Infertilitätsursache auf weiblicher Seite (20% Männer
und 26% beide). Somit ist es unerlässlich dass die
Infertilitätsabklärung gleichzeitig bei Mann und Frau
erfolgt.. Schätzungen für Österreich sprechen von einer primären
und sekundären Infertilität, bei über 15% der Paare im
reproduktiven Alter. Die Paare die Betreuung wegen ihrer Infertilität
suchen, wird zwischen 4 und 17% angegeben. Schließlich bleiben 3-4%
aller Paare am Ende ihrer reproduktiven Lebensphase ungewollt
kinderlos. Da bei der Hälfte der Paare mit ungewollter
Kinderlosigkeit auch Ursachen auf Seiten des Mannes gefunden werden,
muss davon ausgegangen werden, dass etwa 7% aller Männer im Laufe
ihres Lebens mit dem Problem einer Störung ihrer Zeugungsfähigkeit
konfrontiert werden.
Die
häufigste Fertilitätsstörung stellt mit 32% die idiopathische
Infertilität dar, gefolgt von der
Varikozele 17%, Infektionen 9%, hormonelle Ursachen 9%,
Lageanomalien der Hoden 9%, Störungen des Samentransportes 6%,
allgemeine Erkrankungen 5%, immunologische Faktoren 4%, Hodentumore
2,3%. Idiopathische Infertilität beschreibt einen normalen Status,
sämtliche Hormon- und Blutwerte sind im Normbereich, aber trotzdem
findet man eine eingeschränkten
Samenproduktion bzw. eine verminderte Samenqualität.
Die
orthomolekulare Nährstofftherapie ist ein Therapieansatz, Mangelernährungen
auszugleichen. Der Ausdruck orthomolekulare Nährstofftherapie wurde
vom zweifachen Nobelpreisträger Linus Pauling geprägt und meint
die richtigen Bausteine in der richtigen Menge zu ersetzen. Für
spezifische Erkrankungen werden dann dem Körper speziell
zusammengesetzt Nährstoffpräparate zugeführen. Definitionsgemäß
handelt es sich damit um ein diätetisches Lebensmittel für
besondere medizinische Zwecke.
In
der Landesklinik für Urologie und Andrologie wurde diesbezüglich.
eine prospektive nicht- plazebokontrollierte Studie mit 30 Paaren
durchgeführt, bei welchen beim Mann eine idiopathische Infertilität
diagnostiziert wurde. Die Zusammensetzung des Präparates wurde in
Zusammenarbeit mit der Firma Ökopharm entwickelt (vgl. Tabelle). In
den Voruntersuchungen wurde abgesehen von den pathologischen
Spermiogrammen ein
unauffälliger andrologischer Status gefordert. Nach schriftlicher
Einverständniserklärung und negativem Schwangerschaftstest nahmen
beide Partner einmal täglich dieses Nährstoffkonzentrat ein.
Spermiogramme wurden dann nach 2 und 3 Monaten kontrolliert, der
Einfluss auf die Lebensqualität wurde mit dem SF-36 Fragebogen
evaluiert. Am Studienende wurde dann nochmals ein
Schwangerschaftstest durchgeführt.
Die
Auswertung zeigte interessante Tendenzen (von Ergebnissen kann wegen
der geringen Probandenzahl und dem Studiendesign nicht gesprochen
werden). Primär war die Compliance der Paare ausgezeichnet, sodass
man hier von einem hoch motivierten Patientenklientel
ausgehen kann. Der Geschmack des Prototyps war, gelinde
gesagt, „sehr gewöhnungsbedürftig“ und wurde nachträglich
deutlich verbessert.
Die
Spermienkonzentration verbesserte sich nicht signifikant, aber bei 8
von 29 Patienten (27,6%) konnte eine Konzentrationsverbesserung von
20% erzielt wurde. Bei der Spermienmotilität kam es in der
Kategorie „schnell beweglich“ zu einer signifikanten
Verbesserung (p=0,018) und auch die Summe der schnell und langsam
motilen Spermien verbesserte sich signifikant. Die Spermienvitalität
konnte auch bei 7 von 26 Männern um 20% verbessert werden, gesamt
war diese Verbesserung aber nicht signifikant.
Zusammenfassend
fand bei 72,4% unserer Probanden eine Spermiogrammverbesserung um
20% in mindestens einem Parameter statt. Bei 10% war eine
Verbesserung in allen 3 Kategorien um mindestens 20% festzustellen
(Fig.2). An Nebenbefunden wurden 3 Schwangerschaften im
Beobachtungszeitraum nachgewiesen. Es wurden keine schwerwiegenden
Nebenwirkungen diagnostiziert und die allgemeine Lebensqualität
(SF-36) wurde von den Patienten als signifikant besser unter dieser
Therapie empfunden (Fig.3).
Somit
gibt es Hinweise, dass bei idiopathischer Infertilität zumindestens
für einen Teil der negativen Spermiogrammveränderungen
Nahrungsmangelzustände verantwortlich sein dürften.
Die
Daten wurden im Rahmen des 6. Andrologischen Winterworkshops
in St.Johann sehr lebhaft diskutiert, was auf ein reges Interesse
hinweist. Es wurde natürlich eine plazebokontrollierte Studie
gefordert. Allerdings muss man zu bedenken geben, dass ein
Therapienansatz der aufgrund der Zusammensetzung des Präparates
sicherlich nicht schadet (Primum non nocere) einen Versuch wert ist.
Die Monatstherapie kostet 59,90 €.
Viele
Paare wollen vor der Anwendung assistierten Reproduktionsmassnahmen
zumindestens noch einen Versuch unternehmen etwas für ihre
reproduktive Gesundheit zu unternehmen und dazu bietet sich die
orthomolekulare Nährstofftherapie an.
Weiterführende
Literatur: Mit Nährstoffen heilen. N.Fuchs, Ralf Reglin Verlag Köln,
ISBN 3-930620-21-9
Bezugsquelle:
Privatordination Doz.Dr. Andreas JUNGWIRTH
Tickt die biologische Uhr auch bei
älteren Vätern ?
Immer häufiger entscheiden sich
Paare, ihren Kinderwunsch in spätere Lebensabschnitte zu verlegen.
Dass die biologische Uhr bei Frauen schon ab dem 26.Lebensjahr zu
ticken beginnt und Mütter über dem 37.Lebensjahr schon als „alt"
zu bezeichnen sind, ist bekannt. Das genetische Risiko nimmt auch
ganz dramatisch zu. Das Risiko ein mongoloides Kind (Down Syndrom)
zu bekommen ist für 20-jährige Frauen 1:1700, für 44-jährige
Mütter 1:30 !
Wie verhält es sich aber bei den
Männern ?
Prinzipiell können Männer bis ins
hohe Alter Kinder zeugen, Prominente wie Lois Trenker, Michael
Douglas und Donald Trump sind die besten Beweise. Aber mit
zunehmendem Alter nimmt zunächst einmal die Samenqualität ab. Die
Samenflüssigkeit wird weniger und auch die Zahl und Struktur der
Spermien verschlechtern sich, so Univ.Doz.Dr. Jungwirth, Urologe und
Androloge in Salzburg. Gleichzeitig nimmt auch die Produktion von
männlichem Sexualhormon (Testosteron) ab, welches für die
Samenproduktion, aber auch für die Erektionsfähigkeit des Penis
wichtig ist. Testosteronmangel im Alter ist ein häufig
unterschätztes Krankheitsbild, mehr als 20% aller Männer ab dem
50.Lebensjahr sind davon betroffen. So braucht ein 40-jähriger Mann
doppelt so lange um eine Schwangerschaft zu erzielen wie ein
24-jähriger. Es gibt aber auch zunehmend Hinweise, dass das
genetische Risiko bei älteren Vätern zunimmt. Die Träger der
Erbinformation (Chromosomen) haben mit zunehmendem Alter reduzierte
Reparaturmechanismen zur Verfügung und erhöhte zelluläre
Giftstoffe, auch oxidativer Stress genannt, schädigen die Gene –
kurz gesagt, die Chromosomen werden mit zunehmendem Alter „rostig".
Rezente Studien zeigen, dass das Risiko für genetische
Veränderungen in den Samenzellen bei älteren Vätern auf das
dreifache ansteigen. In England wurde deshalb das Alter für
Samenspender von 50 auf 45 Jahre gesenkt. Ganz aktuell sind auch
Untersuchungen, wonach bei Kindern älterer Väter gehäuft
Erkrankungen wie Schizophrenie, Autismus und der Mongolismus
beobachtet werden. Diese Krankheitsbilder traten unabhängig vom
Alter der Mutter auf. Dr. Jungwirth gibt zu bedenken, dass es
zunehmende Hinweise auch für eine biologische Uhr bei angehenden
Vätern gibt, welche nicht durch jüngere Partnerinnen kompensiert
werden können.
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